1. WELCHES SCHLAFVERHALTEN PASST ZU WELCHEM ALTER? ODER: WAS IST NORMAL, WAS NICHT?

Haben Sie auch schon viele Meinungen und Ratschläge gehört,was Ihr Kind schon können muss oder was auf gar keinen Fall mehr als normal anzusehen ist? Gerade was das Schlafverhalten betrifft, gibt es oft sehr unterschiedliche Ansichten. Da ist es gut, ein paar Fakten zu wissen, um sich selbst ein Bild machen zu können.

1.1 VERÄNDERUNG DER SCHLAFPHASEN IM LAUFE DER ENTWICKLUNG

Ein Neugeborenes hat noch keine Vorstellung vom Unterschied zwischen Tag und Nacht, passt sich aber bereits nach wenigen Tagen diesem äußeren Taktgeber an und schläft dann nachts mehr als am Tag. In den ersten Lebenswochen bestimmt der Wechsel zwischen Nahrungsaufnahme und Schlafen den Alltag. Die durchschnittliche Schlafmenge beträgt in diesem Alter 16-18 Stunden, welche sich auf ca. 5 Schlafperioden verteilt. Bis ungefähr zum 6. Lebensmonat entwickelt sich meist eine länger zusammen­ hängende Schlafperiode von ca. 6 Stunden, eine nächtliche Unterbrechung des Schlafes zur Nahrungsaufnahme ist vor allem bei gestillten Kindern noch ganz normal. Im Verlauf des ersten Lebensjahres nimmt die Schlafmenge insgesamt etwas ab und der Schlaf findet überwiegend nachts statt, mit zwei kürzeren Schlafphasen am Tag. Bis zum Ende des ersten Lebensjahres ist das Kind in der Lage durchzuschlafen. Der Tagschlaf wird meist im dritten oder vierten Lebensjahr aufgegeben, wobei hier sehr große individuelle Entwicklungen festzustellen sind. Schulkinder benötigen nur kurze Zeit um einzuschlafen, schlafen in der Regel durch und neigen dazu früh aufzuwachen. Ein Neugeborenes hat noch keine Vorstellung vom Unterschied zwischen Tag und Nacht. Bei Jugendlichen ist der gelernte Schlaf-Wach-Rhythmus wieder etwas labiler, da die Lebensumstände gerade in der Pubertät zu einer Verschiebung der Schlafenszeiten und zu einem Schlafdefizit führen.

1.2 DURCHSCHNITTLICHE SCHLAFENSZEITEN VON KINDERN VERSCHIEDENER ALTERSSTUFEN

Anhand der Tabelle können Sie die durchschnittlichen Schlafenszeiten in den unterschiedlichen Alterstufen ablesen. Beachten Sie aber, dass Ihr Kind durchaus vom Durchschnitt abweichen kann, ohne krank zu sein.
 
 

1.3. VON EULEN UND LERCHEN UND ANDEREN PROBLEMEN

Die individuellen Abweichungen haben auch damit etwas zu tun, dass es verschiedene Typen gibt, die in ihrem Tagesrhythmus unterschiedlich takten. Hier bezeichnet man die Morgenmenschen, die frühmorgens schon wach und munter sind, dafür am Abend aber rasch ermüden, als Lerchen. Mit der nachtaktiven Eule charakterisiert man eher Menschen, die morgens Schwierigkeiten zeigen in den Tag zu starten, dafür in den Abendstunden aber leistungsfähig sind. Um die Sache noch schwieriger zu machen benötigen die Menschen unterschiedlich lange Schlafenszeiten. So gibt es Kurzschläfer und Langschläfer und bei beiden zeigt sich ein normales Schlafverhalten. Schwierig wird es,wenn in einer Familie Eulen und Lerchen aufeinandertreffen und der Tag aus organisatorischen Gründen für alle zur selben Uhrzeit beginnen soll.

2. STÖRUNGEN DES SCHLAFES UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF DIE TAGES-BEFINDLICHKEIT BZW. DIE ENTWICKLUNG DES KINDES

2.1 SCHLAFLOS IM KINDERZIMMER (INSOMNIENJ Probleme in der Säuglingszeit

Kennen Sie das? „Mein Kind schläft nur ein,wenn ich es auf dem Arm halte, wenn ich ihm etwas zu trinken anbiete, wenn ich es in den Schlaf wiege,„„ Kaum ist es eingeschlafen,fängt nach 2 Stunden alles wieder von vorne an." Die Frage, die sich Eltern in dieser Situation stellen ist, ob ihr Kind eine Schlafstörung oder gar eine Störung des Verhaltens hat. Auch hier ist es wichtig auf das Alter des Kindes zu achten. Gerade in den ersten Lebenswochen kann es zu sehr unruhigen Phasen kommen. Dies betrifft nicht nur den Schlaf, sondern auch die wachen Momente des Babys. Es gibt viele Ursachen.warum ein Säugling weint. nicht immer ist ein Grund erkennbar. Sollte das Baby anhaltend schreien und sich nur schlecht beruhigen lassen, sollte es von einem Kinderarzt untersucht werden. Wenn keine organische Ursache gefunden werden kann, das Baby aber weiter sehr unruhig ist und die Familie unter dieser Situation leidet. sollte man sich professionelle Unterstützung suchen. An vielen Orten werden sog. Schreibabysprechstunden angeboten, an die Sie sich wenden können.
 
Sind die Kinder an die 6 Monate alt sollte sich ein guter Schlaf-Wach-Rhythmus einstellen.
 
Dabei muss man aber wissen. dass viele Regulationen in unserem Körper noch einem uralten Plan folgen,der uns das überleben in feindlicher Natur sicherte. So gehört es z.B. zu diesem Programm. dass der Mensch - egal ob Kind oder Erwachsener - ca. alle 2 Stunden für einen kurzen Moment erwacht, um sicherzustellen, dass er sich nicht in Gefahr befindet. Ist etwas in diesem Moment anders als beim Einschlafen, führt dies zu einem vollständigen Erwachen.
 
Einschlafen kann man umgekehrt nur dann,wenn man sich wohl und sicher fühlt. Da die Kinder nicht mit einer Gebrauchsanweisung für ihren Körper auf die Welt kommen, sind viele Verhaltensweisen erlernt. Wenn Ihr Kind also lernt, dass zum Einschlafen die Milchflasche oder der Arm der Mutter gehört,wird es nach 2 Stunden erwachen und diese Situation nicht mehr vorfinden (da die Mutter in diesem Moment wahrscheinlich selbst versucht zu schlafen), was zum vollständigen Erwachen und großen Protestgeschrei des Kindes führt.
 
Um das Kind zu beruhigen werden Sie alles Mögliche versuchen und feststellen, dass es sich nur beruhigen lässt, wenn Sie ihm wieder etwas zu trinken anbieten oder es auf den Arm nehmen. Der Weg, der aus dieser schief laufenden Situation her­ aus führt, ist eine Veränderung der Einschlafsituation. Ihr Kind sollte lernen ohne Hilfsmittel und ohne Anwesenheit der Eltern einzuschlafen. Nur so kann es bei einem kurzen Erwachen in der Nacht die Ausgangssituation selbständig wieder herstellen und unbesorgt weiterschlafen. Dies ist leider schneller hingeschrieben als umgesetzt. Wir haben deshalb für Sie einen kleinen Leitfaden erstellt, der Ihnen bei der Umsetzung helfen soll. Es gibt aber Situationen, in denen man alleine keine Verbesserung erreichen kann. Scheuen Sie sich also nicht, in hartnäckigen Fällen oder wenn Sie den Eindruck haben, keine Energie mehr zu haben, sich an Ihren Kinderarzt, eine Kinderschlafambulanz, Kinderklinik oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) zu wenden, um Unterstützung zu bekommen.

EIN- UND DURCHSCHLAFSTÖRUNGEN BEI KINDERN

In der weiteren Entwicklung lernen Kinder viele Dinge und können Situationen selbst bestimmen.
 
Diese Freiheiten und die Selbstbestimmung müssen sie wieder aufgeben, wenn sie sich in den Schlaf begeben. Manchen Kindern macht dies Angst und sie fürchten sich vor dem zu Bett gehen, bei anderen Kindern erwacht der Widerstand und sie können gesetzte Grenzen nur schwer akzeptieren. In beiden Fällen versuchen die Kinder, häufig sehr phantasievoll, den Zubettgehen-Zeitpunkt hinauszuschieben.
„Ich muss noch mal, ich bin durstig, ich muss dir noch gaaanz dringend was sagen,„„." hört man häufig. Hier gilt es Ängste zu nehmen und das Selbstvertrauen zu stärken. Ein Kuscheltier, das während des Schlafes aufpasst, kann dabei hilfreich sein. Bei der Beachtung von Grenzen benötigt man als Eltern eine große Portion liebevoller Konsequenz. Dem Kind muss ganz klar sein, was gefordert wird. Ein gutes Einschlafritual (siehe dort] und evtl. eine Belohnung, wenn das „im Bett bleiben" klappt, seien hier erwähnt.
 
Weitere Tipps finden Sie in unserem Leitfaden.
 
EIN- UND DURCHSCHLAFSTÖRUNGEN BEIJUGENDLICHEN
 
Auf Grund der rasanten Entwicklungen in diesem Lebensabschnitt benötigen die Jugendlichen durchschnittlich eine Stunde mehr Schlaf. Wenn sie so lange schlafen könnten,wie sie wollten, würden sie ca 9 Stunden schlafen. Sie neigen aber dazu weniger zu schlafen, als notwendig wäre. Meist wird das Schlafdefizit am Wochenende ausgeglichen. häufig aber auch nicht. Insgesamt ist es sehr schwierig, das Schlafverhalten von Jugendlichen zu beeinflussen, da meist die Einsicht und die Kooperation fehlt. Probleme in der Schule oder erste Erfahrungen im Liebesleben können Einschlafstörungen verursachen. Meist bekommen die Eltern davon wenig mit. Die Jugendlichen zeichnen sich aber häufig durch Müdigkeit in den ersten Stunden des Tages aus. Wenn dies zu Leistungseinbrüchen führt und sich die Jugendlichen am Wochenende nicht durch Ausschlafen ausreichend erholen, sollte eine Abklärung erfolgen, da auch organische Ursachen dahinter stecken können.

2.2. TRAUM ODER WIRKLICHKEIT? (PARASOM NIENJ

SCHLAFTRUNKENHEIT
 
Unter Schlaftrunkenheit versteht man einen Zustand nach dem Wecken oder dem spontanen Erwachen, der sich durch örtliche und zeitliche Orientierungslosigkeit auszeichnet. Die Kinder scheinen wach zu sein, reagieren aber nur verlangsamt auf äußere Reize. Manchmal kann man auch eine verwaschene Sprache und unlogisches Handeln beobachten. Dieser Zustand hält meist 5 bis 15 Minuten an. Die Kinder können sich häufig an nichts oder nur sehr ungenau an die Geschehnisse erinnern. Meist verschwindet die Neigung zur Schlaftrunkenheit mit der Pubertät von selbst wieder. Durch das Einhalten fester Schlaf-.Wachzeiten und Beachtung der Schlafhygiene kann die Wahrscheinlichkeit des Auftretens vermindert werden. In manchen Fällen muss man eine Epilepsie, die gelegentlich ganz ähnlich aussehen kann, ausschließen.
 
NACHTSCHRECK (PAVOR NOCTURNUS)
 
Es handelt sich beim Pavor nocturnus um eine Störung des Schlafes, die familiär gehäuft auftritt und meist im Kleinkindesalter vorkommt. In der ersten Nachthälfte kommt es aus dem Tiefschlaf heraus zum unvollständigen Erwachen mit Schreien und ängstlichen Lautäußerungen. Die Kinder sind nur schlecht zu wecken und wissen am nächsten Tag nichts mehr von den nächtlichen Ereignissen. Der Nachtschreck kann durch Schlafmangel, emotionalen Stress und fieberhafte Erkrankungen leichter auftreten. Deshalb ist auch hier eine gute Schlafhygiene wichtig. Auch diese Störung muss von einer nächtlichen Epilepsie unterschieden werden.
 
VIELE KINDER SCHLAFWANDELN [SOMNAMBULISMUS)
 
Viele Kinder schlafwandeln. Dies tritt meist im ersten Schlafdrittel auf und zeichnet sich durch komplexe Bewegungen aus. Dies kann von Umherblicken bis zu „aus-dem-Bett-Springen" gehen. Die Kinder sind nur schwer zu wecken und können abwehrend oder aggressiv reagieren. Deshalb sollten Sie versuchen Ihr Kind nicht zu wecken, sondern wieder ins Bett zu bringen. Am nächsten Tag gibt es keine Erinnerung an die nächtlichen Handlungen. Da Kinder, die schlafwandeln, sich dabei gefährden und verletzen können, ist das Sichern der Schlafumgebung des Kindes unbedingt erforderlich. Begünstigt wird das Schlafwandeln durch Schlafmangel. Fieber.Schmerzen, eine gefüllte Blase oder verschiedene Medikamente. Bei 80% der Betroffenen verschwindet die Störung mit der Pubertät. Da aber eine ganze Reihe anderer Störungen ganz ähnlich aussehen kann, sollte man ein Schlafwandeln abklären lassen.
 
ALBTRÄUME
 
Angst- und furchterregende Träume, an die man sich erinnern kann nennt man Albträume. Diese treten bevorzugt in der zweiten Nachthälfte auf. Albträume kommen bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen. Die Kinder erwachen durch den Traum und können sich sehr rasch orientieren. Auch Kinder können schnarchen und Atemaussetzer, sogenannte Apnoen, haben. Manchmal kommt es nach so einem Traumerlebnis zu Problemen beim Wiedereinschlafen. Eine Veranlagung zu Albträumen scheint zu bestehen, wobei auch Stress oder bestimmte Erlebnisse als Auslösefaktoren beschrieben werden. Sollten Albträume häufig aureten und diese für das Kind belastend sein, sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie z.B. das Aufmalen oder Aufschreiben der Trauminhalte anzuraten. In manchen Fällen stecken auch andere Schlafstörungen oder eine Epilepsie hinter dem nächtlichen Geschehen, so dass eine Abklärung in einem Schlaflabor sinnvoll sein kann.
 
ENURESIS NOCTURNA
 
Wenn es nach dem 5. Lebensjahr mindestens 2 Mal pro Monat zu nächtlichem Einnässen kommt, spricht man von Enuresis nocturna. Dies sollte von einem Kinderarzt abgeklärt werden. Beobachtet man auch Schnarchen,sollte man in einem Schlaflabor überprüfen, ob ein obstruktives Schlafapnoesyndrom als Ursache vorliegt.

2.3. WENN ES NACHTS LAUT WIRD

SCHNARCHEN UND ATEMAUSSETZER
 
Auch Kinder können schnarchen und Atemaussetzer, sogenannte Apnoen, haben. Hier kommt es zu einer Verlegung der oberen Atemwege im Schlaf. Häufig finden sich vergrößerte Rachenmandeln (Polypen, Adenoide) und Gaumenmandeln (Tonsillen) als Ursache, aber auch Übergewicht spielt zunehmend eine Rolle. Kinder mit Down Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Rückverlagerung des Unterkiefers oder anderer Grunderkrankungen können ebenfalls Obstruktionen der Atemwege zeigen. Die Verlegung der oberen Atemwege im Schlaf. welche zu Atemaussetzern führen, nennt man obstruktive Schlafapnoe. Die Atemaussetzer bewirken einen Abfall des Sauerstoffgehaltes im Blut während des Schlafes und können den Schlaf in seinem Ablauf stören. Als Symptome sieht man Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen bei jüngeren Kindern. Aber auch Kopfschmerzen am Morgen, nächtliches Schwitzen, Enuresis nocturna und Herzrhythmusstörungen können Folge einer Obstruktion der Atemwege im Schlaf sein. Während Erwachsene eher über Tagesmüdigkeit klagen, sieht man bei Kindern oft den gegenteiligen Effekt: sie sind überdreht, hibbelig und können die gleichen Symptome wie Kinder mit ADHS zeigen. Wie ausgeprägt das Schnarchen bzw. die Atemaussetzer sind und ob man etwas dagegen unternehmen muss,sollte man in einem Schlaflabor abklären lassen.
 
BEWEGUNGEN IM SCHLAF / ALS
 
Kinder bewegen sich im Schlaf öfter als Erwachsene. Oft wird von zerwühlten Betten oder von einer stark veränderten Schlafposition berichtet.
Im Gegensatz zu den Erwachsenen wirken sich diese Bewegungen nicht Schlaf störend aus. Allerdings können die klassischen Bewegungsstörungen, wie z.B. ALS (Syndrom der unruhigen Beine], bereits im Kindes- bzw. Jugendalter beginnen. Ob eine Bewegung den Schlaf stört oder nicht, lässt sich eigentlich nur in einem Schlaflabor feststellen. Als Symptome zeigen die Kinder Tagesmüdigkeit oder Hyperaktivität. Etwas häufiger kommen bei Kindern schlafbezogene Beinkrämpfe vor, wodurch es zu einer Weckreaktion kommt. Das Wiedereinschlafen kann erschwert sein. Vor allem nach körperlicher Anstrengung, aber auch bei bestimmten Erkrankungen können Wadenkrämpfe auftreten. Bei vielen Kindern kann man rhythmische Bewegungen des Kopfes oder des Körpers in der Einschlafphase oder während des Schlafes beobachten. Dies ist im jungen Kindesalter sehr häufig und eine normale Verhaltensweise. Sie dient wahrschei nlich der Selbstregulation und Beruhigung. Im aufe der Entwicklung verliert sich dieses Verhalten mehr und mehr. Sollten sich die Kinder durch die Bewegungen selbst verletzten (z.B. durch Schlagen mit dem Kopf] oder andere Auffälligkeiten auftreten, sollte man eine Untersuchung beim Kinderarzt durchführen. Hier kann es hilfreich sein, die Situation zu filmen, damit sich der Arzt ein genaues Bild machen kann.
 
ZÄHNEKNIRSCHEN (BRUXISMUSJ
 
Das nächtliche Zähneknirschen kommt in manchen Familien gehäuft vor und zeigt sich vor allem im Jugendalter. Neben der Veranlagung zum Zähneknirschen können Kieferfehlstellungen, Ängste und Anspannung der Auslöser sein.Eine Abklärung durch den Zahnarzt und Kieferchirurgen ist wichtig. Je nach Alter können auch Entspannungs­ verfahren eingesetzt werden.

2.4. ZAPPELPHILIPP UND TAGTRÄUMER

TAGESMÜDIGKEIT UND EINSCHLAFNEIGUNG AM TAG
 
Wenn Sie bei Ihrem Kind eine große Müdigkeit am Tag feststellen und es zu ungewolltem Einschlafen kommt, kann vieles dahinter stecken.
Wichtig ist, sich zuerst noch mal klar darüber zu werden, was für welches Alter normal ist.(siehe Punkt 1) Machen Sie sich auch ein Bild darüber,wie und wie lange Ihr Kind wirklich schläft. Ab einem gewissen Alter bekommt man nicht mehr alles so unmittelbar mit, was den Kinderschlaf angeht. da die größeren Kinder und Jugendlichen meist alleine in ihrem Zimmer schlafen. Eine Tagesmüdigkeit, die sich nicht mit zu wenig Schlaf erklären lässt, sollte man abklären lassen.Es könnten sich organische Ursachen finden,wie z.B. ein Infekt oder Eisenmangel. Aber auch das obstruktive Schlafapnoe­ syndrom (siehe dort) kann die Ursache der Tagesmüdigkeit sein. Eine Erkrankung, die mit vermehrter Tagesmüdigkeit und unwillkürlichem Einschlafen einhergeht, ist die Narkolepsie. Sie wird bei Kindern nicht häufig diagnostiziert.Von vielen erwachsenen Betroffenen ist aber bekannt, dass die ersten Anzeichen der Erkrankung bereits in der Kindheit vorhanden waren. Ob es sich um eine Narkolepsie handelt, muss in einem Schlaflabor untersucht werden.
 
VERZÖGERTES SCHLAFPHASENSYNDROM
 
Kinder mit verzögertem Schlafphasensyndrom -meistens handelt es sich um Teenager- klagen darüber, dass sie vor 3 oder 5 Uhr morgens nicht einschlafen können und große Mühe haben, rechtzeitig zur Schule aufzustehen. Dadurch ergeben sich auch für die Eltern Probleme, die sich oft darüber beschweren, dass sie ihr Kind jeden Morgen regelrecht aus dem Bett zerren müssen. Bei vielen Teenagern wirkt eine Radikalkur am Wochenende. Wenn sie Freitag nacht „durchmachen" und den ganzen Samstag wach bleiben, sind sie schließlich so müde, dass sie tatsächlich gegen Mitternacht einschlafen können.Am Sonntag sollten sie dann zu der an Schultagen üblichen Zeit aufstehen. Diese Schlaf-Wachzeiten sollten von nun an regelmäßig also auch am Wochenende eingehalten werden.
 
NARKOLEPSIE
 
Die Tagesschläfrigkeit von Kindern, die an Narkolepsie leiden, ist mit der von gesunden Kindern nicht zu vergleichen. Narkoleptische Kinder können beim Sprechen,Essen oder sogar auf dem Fahrrad plötzlich einschlafen. Sie erfahren mehrmals am Tag unkontrollierte Schlafattacken, haben beim Einschlafen visuelle Halluzinationen und hören bizarre Töne. Beim Einschlafen und Erwachen kann es zu Bewegungsunfähigkeit und Sprachblockierung kommen. Ein Lachen oder eine Aufregung kann den plötzlichen Verlust des Muskeltonus auslösen. Die Dauer solcher Schlafattacken reicht von wenigen Sekunden bis zu einer halben Stunde. Im frühen Stadium der Narkolepsie haben Kinder oftmals enorme Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Kurz nach dem Aufstehen sind sie verwirrt, aggressiv und werden leicht ausfallend. Es ist sehr wichtig, Narkolepsie frühzeitig zu erkennen, da Tagesschläfrigkeit die Leistungsfähigkeit in der Schule stark beeinträchtigen kann und Lehrer wie Schüler bei mangelnder Aufklärung die Symptome oft fälschlicherweise als Faulheit und Lustlosigkeit werten. Das Befinden vieler narkoleptischer Kinder lässt sich durch regelmäßige, zeitlich genau festgelegte und kurze Schläfchen zwischendurch sowie durch stimulierende Medikamente entscheidend verbessern.
 
UNKONZENTRIERTHEIT UND UNRUHE AM TAG - STECKT EIN SCHLECHTER SCHLAF DAHINlER?
 
Viele Kinder zeigen eine ausgeprägte körperliche Unruhe am Tag. Sie können sich kaum ruhig halten, müssen sich ständig bewegen. In der Schule fallen sie durch mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit auf. Eine häufig gestellte Frage ist bei solchen Kindern, ob ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom [ADHS) vorliegt.Wichtig zu wissen ist, dass unzureichender oder schlechter Schlaf ganz ähnliche Verhaltensweisen hervorruft, wie es bei ADHS der Fall ist. So sollte bei einer Abklärung auch immer nach dem Schlafverhalten der Kinder gefragt werden und ggf. auch eine Untersuchung des Schlafes veranlasst werden.
 
SCHLAFSTÖRUNGEN BEI ADHS
 
Umgekehrt besteht bei Kindern, bei denen ein ADHS vorliegt auch die Tendenz zu Ein- und Durchschlafstörungen. Kinder, die Medikamente einnehmen müssen, um mit dem ADHS am Tag umgehen zu können, haben manchmal das Problem, dass die Wirkung mancher Medikamente in den Abendstunden aufhört. Dies kann dazu führen, dass sie in der Zeit vor dem Zubettgehen wieder unruhiger und aufgedrehter sind. Sollte dies zu Störungen der Nachtruhe führen, was umgekehrt die Symptome des ADHS wieder verstärken kann, sollte die Therapie so gewählt werden, dass die Abendstunden mittherapiert werden.

3. SCHLAFHYGIENE - ODER: AUF WAS MAN SELBST ACHTEN KANN

3.1. DIE RICHTIGE SCHLAFUMGEBUNG

Der Schlaf stellt sich nur dann ein, wenn sich der Mensch sicher und geborgen fühlt. Dies hat mit der Anpassung unseres Körpers an das Leben in der freien Natur zu tun. Ein Einschlafen in Bedrohungssituationen wäre im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährl ich geworden und die Menschheit wäre wahrscheinlich schon längst ausgestorben. Diese Urinstinkte spielen immer nach eine große Ralle und können beim Ein- und Durchschlafen hinderlich sein. Sa sollte bei der Wahl der Schlafumgebung darauf geachtet werden, dass es ein Ort zum Wohlfühlen ist. Auch hier kommt es auf das Alter Ihres Kindes an. Ein Säugling hat andere Bedürfnisse als ein Jugendlicher und die Perspektive eines Erwachsenen ist nachmals eine andere. Das Bett sollte ausschließlich zum Schlafen benutzt werden. Zum einen ist dies ein deutliches Signal von außen, dass es jetzt Zeit zum Schlafen ist,zum anderen ist an diesem Ort nichts weiter Spannendes zu erwarten und man kann loslassen. Etwas ältere Kinder spielen häufig sehr intensiv und phantasievoll. Manchmal gelingt es nachts nicht mehr zu unterscheiden, ob die Zudecke nach wie vor die Räuberhöhle ist oder doch ganz harmlos.Auch Fernseher und Computer sollten nicht in unmittelbarer Nähe des Bettes aufgestellt sein. Die Verlockung für die Kinder ist sehr groß nur noch schnell ein Spiel zu spielen oder heimlich den Fernseher anzuschalten.Wenn der Schulalltag anstrengend ist und die Kinder schulische Belastungs­ situationen bewältigen müssen, ist es gut, ganz bewusst am Abend alle Schul­ sachen wegzupacken und nicht als ständige Ermahnung neben dem Bett zu haben. Auch sollte das ins Bett gehen nicht als Strafe herangezogen werden. Der Schlaf stellt sich nur dann ein, wenn sich der Mensch sicher und geborgen fühlt.
 
EMPFEHLUNGEN IM SÄUGLINGSALTER
 
Säuglinge haben ganz besondere Bedürfnisse. Die Nähe zu den Eltern ist in diesem Alter noch besonders wichtig, um ein Gefühl der Geborgenheit zu bekommen. Auch weil der Säugling nachts noch häufiger eine Mahlzeit benötigt ist es sinnvoll, das Bett des Babys im Elternschlafzimmer aufzustellen.
 
Sicher und geborgen schläft Ihr Kind:
in einem eigenen Bett
in Rückenlage
in einem Schlafsack ohne zusätzliche Zudecke
in einer rauchfreien Umgebung
damit es mit dem Kopf nicht zu weit einsinken kann, sollte die Matratze fest sein und Sie sollten kein Fellehen, Nestchen oder Kopfkissen verwenden
um eine Überwärmung zu vermeiden sollte die Raumtemperatur bei ca.16 - 18°C liegen; achten Sie auch darauf, dass ein Luftaustausch durch die Matratze möglich ist
die Kuscheltiere sollten in den ersten Lebensmonaten nicht mit im Bett der
 
Kinder schlafen, da sie das Gesicht des Säuglings bedecken können Säuglinge haben noch keinen guten Tag-Nacht-Rhythmus. Sie können Ihr Kind aber schon in den ersten Lebenswochen unterstützen, indem sie nachts nur wenig Licht beim Versorgen machen und eine möglichst ruhige Atmosphäre beibehalten. Auch hat Ihr Kind nicht immer Hunger, wenn es nachts aufwacht. Warten Sie ruhig etwas ab, ob es nicht von selbst wieder in den Schlaf finden kann. Weitere Informationen finden Sie unter www.schlafumgebung.de.
 
ALTERSGERECHTES EINSCHLAFRITUAL
 
Das Einschlafen bedeutet in gewisser Weise eine Trennung von den Eltern und bei älteren Kindern auch ein Aufgeben der schon erlangten Selbstbestimmung. Beides kann Ängste auslösen und ist nicht immer willkommen. Erleichtern Sie Ihrem Kind diese Situation, indem Sie es unterstützen, selbständig in den Schlaf zu finden. Sehr hilfreich ist hierbei die Einführung eines altersgerechten Abend- und Einschlafrituals. Dieses sollte sich jeden Abend wiederholen und somit eine berechenbare Konstante am Abend für die Kinder sein. Je nach Alter kann man Geschichten vorlesen, etwas singen oder Kassetten anhören lassen. Das abendliche Programm sollte 30 Minuten nicht überschreiten und klar festgelegt sein. Die Zeit zwischen Abendessen und zu Bett gehen sollte man nutzen, um den Tag ausklingen zu lassen. Hierfür sind Kissenschlachten, Fernsehen etc. eher nicht geeignet.

3.4. WAS DEN SCHLAF SONST NOCH STÖREN KANN

Es gibt viele Einflussfaktoren, die den Schlaf stären können. So ist z.B. ungewohnter Lärm oder helles Licht ein Wachmacher. Es kann aber auch zu Störungen des Schlafes kommen, wenn man sich am Tag nicht ausreichend bewegt hat. Ein gut strukturierter Tagesablauf mit festen Essenszeiten ist für einen erholsamen Schlaf wichtig. Eine schwere Mahlzeit kurz vor dem Zubettgehen macht zwar zunächst müde, durch die Verdauungsarbeit des Darmes kann man aber nicht besonders gut schlafen. Koffeinhaltige Getränke wie z.B. Cola halten, wenn man sie am Nachmittag trinkt, noch lange wach. Nikotin hat nachgewiesenermaßen eine schlafstärende Wirkung, genauso wie Alkohol oder Drogen. Manche Medikamente haben ebenfalls Auswirkungen auf den Schlaf. Manchmal ist es aber auch das Haustier, das die Kinder in ihrem Schlaf stört.

3.5. EMPFEHLUNGEN BEI KLEINKINDERN

Ermitteln Sie zuerst mit Hilfe eines Schlafprotokolls die Gesamtschlafzeit (= Tag- + Nachtschlaf), die Ihr Kind pro Tag benötigt. Versuchen Sie dabei regelmäßige Aufsteh- und Zubettgehzeiten einzuhalten. Der Mittagsschlaf darf nicht zu nah am Nachtschlaf liegen [mind. 4 Std. dazwischen), damit Ihr Kind ausreichend müde ist, um abends einzuschlafen. Wenn ein Kind gelernt hat, am Tag alleine einzuschlafen,so kann es dies auch am Abend oder in der Nacht. Für Kinder bedeutet Einschlafen,sich für eine gewisse Zeit von den Eltern zu trennen. Damit dies abends einfacher gelingt, sollte Ihr Kind zuerst lernen, sich tagsüber immer wieder für gewisse Zeit von Ihnen zu trennen und sich wieder zu vereinen.
 
Allgemein gelten folgende Regeln für ein gesundes Schlafverhalten:
 
Die Phase vor dem Schlafen sollte ruhig gestaltet werden und ein Einschlafritual enthalten, welches die Eltern mit dem Kind durchführen. Dies hilft Ihrem Kind beim Einschlafen.
Sorgen Sie im Schlafzimmer des Kindes für eine passende Umgebung,d.h. störende Licht- und Lärmquellen ausschalten und für die richtige Raumtemperatur sorgen (liegt bei ca. 18°C).
Ein geregelter Tagesablauf unterstützt auch den Schlaf-Wach-Rhythmus IhresKindes positiv.
Schlafen oder Zubettgehen sollte nie als Bestrafung erfolgen.
Rauchen Sie nie in Zimmern, in denen Ihr Kind schläft!

3.6. EMPFEHLUNGEN BEI JUGENDLICHEN

Im Folgenden finden Sie Regeln für eine gute Schlafhygiene, welche helfen, das Schlafverhalten und die Schlafgewohnheiten von Jugendlichen zu verbessern.
 
Zuerst soll der Jugendliche für zwei Wochen ein Schlafprotokoll führen, mit dessen Hilfe Sie gemeinsam die durchschnittliche Gesamtschlafzeit einer Nacht ermitteln.Anhand des ermittelten Schlafbedürfnisses legen Sie gemeinsam feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten fest. Diese sollten möglichst auch am Wochenende gelten.
Falls regelmäßige Schlafenszeiten am Wochenende oder auch in der Woche nicht umsetzbar sind, kann einem möglichen Schlafmangel auf folgende Weise begegnet werden:
Machen Sie ein oder zwei Abende in der Woche aus, an denen der Jugendliche vor 22 Uhr ins Bett geht.
Entsprechend unserer inneren Uhr treten bei jedem Menschen ca. alle vier Stunden Phasen erhöhter Müdigkeit auf. Diese Zeiten [z. B. 9-10 Uhr, 13-14 Uhr, 17-18 Uhr) können für kurze Schlaf- oder zumindest Ruhephasen von 20 Minuten Dauer genutzt werden. In diesen Phasen sollte die auftretende Müdigkeit auf keinen Fall durch Koffein oder andere Aufputschmittel bekämpft werden.
Schlafphasen am Tag sollten immer nur kurz (max. 20 Min.) sein und nicht zu nahe an der Nachtschlafphase liegen. Ansonsten kann sich das Einschlafen auf Grund fehlender Müdigkeit verschlechtern.
Mit Alkohol verbessert sich zwar anfangs das Einschlafen, das Durchschlafen wird jedoch verschlechtert.
Im Schlafzimmer des Jugendlichen sollte ein adäquates Schlafambiente herrschen. Stärende Licht- und Lärmquellen sollten ausgeschaltet und extreme Temperaturen vermieden werden.
Um zur Ruhe zu kommen, hilft ein regelmäßig vor dem Schlafengehen durchge­ führtes Ritual,das zwischen 15 und 30 Min. dauern kann [z.B. sich-bettfertig­ machen, den Eltern Gute-Nacht-Sagen, Lesen).
Der Jugendliche sollte vor dem Schlafen keine den Schlaf „störenden" Medikamente und keinen Alkohol zu sich nehmen.
Das Abendessen sollte mind. 1 Stunde vor dem Zubettgehen beendet sein. Trotzdem sollte der Jugendliche nicht hungrig ins Bett gehen, eine Banane oder ein Joghurt können hier hilfreich sein.
Sie sollten darauf achten, dass der Jugendliche nachmittags keine koffein- oder teeinhaltigen Getränke zu sich nimmt.
Zwischen Alltag und Zubettgehen sollten Sie mit dem Jugendlichen Zeit zum Ausklingen des Tages einplanen. Körperlich oder geistig anstrengende Tätigkeiten [z. B. Krimi, Comic, Sport, Lernen für Schulaufgaben) sollten hier vermieden werden. Im Schlafzimmer sollte nicht geraucht werden!
Nachts sollte nichts gegessen werden.
Da helles Licht als „Wachmacher" gilt, sollte der Jugendliche solches nachts vermeiden.
Am Tag sollte sich der Jugendliche ausreichend bewegen.
Da wir morgens besonders sensibel für Licht sind, sollte sich der Jugendliche morgens V2 Stunde dem Tageslicht aussetzen, z.B. zu Fuß zur Schule oder zum Bus gehen.
Ein geregelter Tagesablauf mit festen Essenszeiten (wenn mögl. gemeinsam) wirkt sich positiv auf den Schlaf-Wach-Rhythmus aus.
Das Bett sollte nur zum Schlafen genutzt werden, nicht zum Fernsehen oder Computerspielen.
Im Schlafzimmer sollte nicht geraucht werden!

3.7. LEITFADEN - WIE KINDER GUTE SCHLAFGEWOHNHEITEN ERLERNEN

DER LERNPROZESS
 
Die im Folgenden beschriebene Methode hilft Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren,selbständiges Einschlafen zu erlernen. Das Kind sollte nach ruhigen, Schlaf vorbereitenden Ritualen im wachen oder schläfrigen Zustand hingelegt wer­ den. Wünschen Sie dem Kind eine Gute Nacht und verlassen Sie dann das Zimmer. Lassen Sie ein gedämmtes Licht brennen, sofern das Kind dies wünscht. Sollte es länger als zwei Minuten schreien, kehren Sie in das Kinderzimmer zurück. Schalten Sie aber nicht das Licht an und heben Sie das Kind nicht aus dem Bett. Gehen Sie auch nicht auf seine Bitten um Saft oder eine weitere Geschichte ein und legen Sie sich nicht zu ihm, falls es diesen Wunsch äußert.
Trösten Sie das Kind mit ein paar Worten oder legen Sie ihm die Hand auf die Schulter, um zu zeigen, dass es sich nicht verlassen fühlen muss. Gehen Sie dann schnell wieder hinaus. Bleiben Sie nicht länger als 1 bis 2 Minuten im Raum. Wenn das Kind weiterhin ruft oder weint, lassen Sie nun mehr Zeit verstreichen, bevor Sie wieder zu ihm gehen (s. Zeitplan). Die Minuten zu zählen, in denen das Kind schreit, kann für die Eltern herzzerreißend und nervtötend sein. Im Grunde fordert dieser Lernprozess mehr von Ihnen als von Ihrem Kind.Aber schließlich geht es um das Ziel, Ihrem Kind den selbständigen Übergang vom Wachsein zum Schlafen beizubringen. Nur durch Ihre Zurückhaltung können Sie ihm helfen, ohne Hilfe anderer und auf sich gestellt einzuschlafen.
 
ZEITPLAN ZUR RÜCKKEHR IN DAS KINDERZIMMER BEI SCHLAFSTÖRUNGEN AUFGRUND FALSCHER EINSCHLAF-ASSOZIATIONEN
 
WARTEZEITEN
 
+ die Zeiten bleiben für alle folgenden Fälle gleich
 
Bei konsequentem Vorgehen tritt der Erfolg bereits nach 3 Nächten ein. Sollte sich nach 5 Nächten noch keine Besserung abzeichnen, müssen alle Beteiligten - also beide Elternteile und alle weiteren Aufsichtspersonen - überprüfen, ob sie die Verhaltensregeln wirklich strikt eingehalten haben.Natürlich ist es auch möglich, dass Ihr Kind mehr Zeit zur Umgewöhnung braucht. Es kann für Eltern sehr frustrierend und beängstigend sein, wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Beharrlichkeit zahlt sich jedoch in jedem Fall aus. Viele Eltern fühlen sich versucht, das Kind ein wenig zu schaukeln, es kurz aus dem Bett zu nehmen oder ihm wenigstens den Schnuller zu geben, um nicht länger hören zu müssen, wie das Kind „leidet". Dieses Verhalten verzögert nur den Lernprozess und hindert das Kind daran, selbständig einschlafen zu lernen.
 
DESENSIBILISIERUNG -
 
EINE METHODE FÜR ÄLTERE KINDER
 
Ältere Kinder haben manchmal Schwierigkeiten mit dem Einschlafen,weil sie sich im Bett allein fürchten. Falls Sie die Gewohnheit haben, sich mit Ihrem Kind zusammen hinzulegen, um ihm beim Einschlafen zu helfen, und ihm nun selbständiges Einschlafen beibringen wollen, sollten Sie die Methode der Desensibilisierung ausprobieren. Sie muss konsequent und zu allen Schlafenszeiten, also auch vor dem Nachmittagsschläfchen und beim nächtlichen Erwachen, angewandt werden. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie sich in die Nähe seines Bettes auf einen Stuhl setzen und dort warten,bis es eingeschlafen ist. Vergrößern Sie dabei jeden Tag den räumlichen Abstand zwischen dem Kinderbett und Ihrem Stuhl in Richtung der Tür. Rücken Sie Nacht für Nacht näher zur Tür und stellen Sie schließlich den Stuhl außerhalb des Kinderzimmers auf. Bei Kindern, die das Bett nicht verlassen, kann die Tür offenstehen. Bei Kindern, die aufstehen, muss die Tür geschlossen werden. Bis sich der Erfolg einstellt, können 1 bis 3 Wochen vergehen. Positive Bestätigungen und Belohnungen - wie z. B. kleine Preise - können den Lernprozess beschleunigen. Das vorbildliche Verhalten des Kindes zu loben, kann ebenfalls sehr wirksam sein.

4. WANN SOLLTE MAN PROFESSIONELLE HILFE SUCHEN?

4.1. WIE ERKENNE ICH EIN ECHTES SCHLAFPROBLEM?

Im Säuglings- und Kleinkindalter bekommt man die Schlafprobleme seiner Kinder unmittelbar selbst zu spüren. Häufig schläft die gesamte Familie nicht mehr,wenn der Nachwuchs unruhig ist.Vieles ist in diesem Alter ein Regulationsproblem, manchmal steckt aber auch etwas anderes dahinter. Sollte Ihr Kind anhaltend Schlafprobleme zeigen, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen, der organische Ursachen ausschließt. Sollte ihr Baby ein sogenanntes „Schreibaby'' sein, kann dies sehr belastend sein. Hier sollte man sich rechtzeitig Unterstützung suchen. Denn der eigene Schlafmangel macht die Situation nicht besser. Zeigt Ihr Kind nach dem 6. Lebensmonat überhaupt keine Tendenzen in einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus zu kommen und ist diese Situation für die Familie belastend, ist es o hilfreich, in einem Beratungsgespräch mit dem Kinderarzt oder in einer Schlafambulanz nach möglichen Ursachen zu suchen. Sind die Kinder älter,fallen die Schlafprobleme meist nicht mehr so direkt ins Auge. Bei Pavor nocturnus, Schlafwandeln oder ungewöhnlichen Bewegungen im Schlaf sollte eine Abklärung erfolgen, um organische Ursachen auszuschließen. Wenn Ihr Kind durch Tagesmüdigkeit oder ganz im Gegenteil durch Unkonzentriert­ heit und Zappeligkeit auffällt, muss man immer überlegen, ob der Schlaf ausreichend lang und gut ist. Schnarcht Ihr Kind jede Nacht, ist auch dies ein Grund für eine weitere Abklärung.

4.2. WAS UNTERSUCHT DER SCHLAFEXPERTE BEI KINDERN?

Zuerst wird eine sogenannte Anamnese erhoben. Dies bedeutet, dass die Eltern und/oder die Kinder erzählen, was ihnen aufgefallen ist und welche Probleme zurzeit bestehen. Meistens wird man auch gebeten ein Schlafprotokoll zu führen, in dem vermerkt wird, wann die Kinder zu Bett gehen,wann sie schlafen und wann sie wach sind. Ebenfalls werden unterschiedliche Fragebögen eingesetzt um herauszufinden, wo genau das Problem liegen könnte. Dann werden die Kinder körperlich untersucht und der Entwicklungsstand wird festgehalten. Finden sich Hinweise auf eine organische Ursache der Beschwerden,werden weitere Untersuchungen, wie z.B. eine Schlaflaboruntersuchung, veranlasst. Wird keine organische Ursache angenommen,versucht man in einem Beratungs­ gespräch Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich der Schlaf Ihres Kindes verbessern lässt.

4.3. WAS PASSIERT IN EINEM SCHLAFLABOR?

In einem Schlaflabor wird der Schlaf Ihres Kindes untersucht. Dazu muss Ihr Kind ein paar Mal unter Beobachtung in einem Schlaflabor schlafen. Mit verschiedenen Messinstrumenten werden wichtige Funktionen des Körpers im Schlaf überprüft. Es werden der Herzschlag, die Atmung, der Sauerstoffgehalt im Blut, die Tiefe des Schlafes und andere wichtige Parameter erfasst und am nächsten Tag bewertet. Die Messinstrumente können manchmal etwas stören, sind aber grundsätzlich nicht schmerzhaft. Trotz der ungewohnten Umgebung können die Kinder in der Regel gut schlafen. Auch wenn sie vielleicht nicht ganz so schlafen,wie zu Hause, so lassen sich jedoch relevante Störungen des Schlafes herausfinden. Die Bewegungsfähigkeit des Kindes wird durch die Aufzeichnungsgeräte und technischen Hilfsmittel übrigens kaum beeinträchtigt. Die ausgewerteten Ergebnisse werden anschließend mit den Daten von gleichaltrigen Kindern mit normalem Schlaf verglichen.
In manchen Fällen ist zusätzlich eine Schlafuntersuchung am Tage notwendig,wobei man anhand verschiedener Mittel versucht, das Kind im Abstand von 2 Stunden für kurze Zeit zum Schlafen zu bringen.An der Geschwindigkeit, mit der die Patienten bei dieser Methode -die als Multipler Wachbleibe Test bezeichnet wird- einschlafen, lässt sich der Grad der Einschlafneigung infolge Tagesschläfrigkeit messen.

4.4.WIE FINDE ICH DIE RICHTIGEN ANSPRECHPARTNER?

Erster Ansprechpartner ist immer der Haus- oder Kinderarzt. Auf der Liste der akkreditierten Schlaflabore der DGSM finden Sie die Schlaflabor­ adressen in Ihrer Nähe. [www.dgsm .de)

5. INFORMATIONSQUELLEN / LITERATURVERZEICHNIS / QUELLENANGABEN

INFORMATIONSQUELLEN
Leitlinie S3 Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen . Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Somnologie 13 (2009):4-160, zusätzlich über DGSM Homepage
Liste DGSM-akkreditierter schlafmedizinischer Zentren mit Angabe von Therapieschwerpunkten: http://www.charite.de/dgsm/ dgsm/ schlaflabore.php
 
LITERATURVERZEICHNIS:
Deutsche Gesellschaft für Kinder-und Jugendpsych iatrie und -psychotherapie u.a. (Hrsg.):Nicht-organische Schlafstörungen -Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischenStörungen im Säuglings-, Kinder- und Jugendalter. Köln, Deutscher Ärzte-Verlag 2000.(AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/012). [www.uni-duesseldorf. de/AWMF/ll/kjpp-012 .htm]
Mayer G.. Fietze 1., Fischer J.. Penzel T., Riemann D.. Rodenbeck A.. Sitter H.. Teschler H.: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen; S3 - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin [DGSM); Somnologie Band 13 Supplement 1, Nov 2009;Springer Verlag
Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen, Weinheim, PVU-Beltz 1995
Fricke-Oerkermann L., Frölich J., Lehmkuhl G.,Wiater A.;Schlafstörungen - Leitfaden Kinder - und Jugendpsychotherapi e Band 8; Hargrefe Verlag 2007
Schäfer T (2004) Pädiatrische Erkrankungen. In: Kompendium Schlafmedizin. (Hrsg. Schulz H). Ecomed Verlag, Landsberg: X
Doase H: Epilepsien im Kindes - und Jugendalter; Flensburg, Druckzentrum H.Junge 1998
Rabeschlag U. (1998). Kinder reisen durch die Nacht. Herder, Freiburg
Wiater A, Schäfer Th. Et al.: Schlafbezogene Atmungsstörungen im Kindesalter:Pädiatrische Praxis 52 (1997), 637 - 656
Rochester. MN, USA (1997): American Sleep Disarder Association „Sleep Problems in Children"
 
QUELLENANGABEN
Der Text wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und unter Berücksichtigung der schlafmedizinischen Praxis in Deutschland von der AG Pädiatrie der DGSM unter Federführung von Frau Dr. Schneider redaktionell überarbeitet. Die Originalvorlage entstammt der Broschüre: „Sleep Disorders in Children". American Sleep Disorders Association, Rochester, MN, USA, Copyright 1997.
 
REDAKTION Dr. Barbara Schneider, Köln Dr. Hans-Günter Weeß, Klingenmünster (hans-guenter.weess@pfalzkli nikum.de)
 
LETZTE ÄNDERUNG 24.10.2011
 
Diese Information ist dem Patientenratgeber „Schlafstörungen und ihre Behand­ lungsmöglichkeiten" entnommen, der von der Deutschen Gesellschaft für Schlaf­ forschung und Schlafmedizin (DGSM) unter der Redaktion von Dr. Hans-Günter Weeß als Online-Version im Internet veröffentlicht und kontinuierlich aktualisiert wird. Es handelt sich um eine redaktionell überarbeitete Übersetzung des in der o.g. Quellenangabe zitierten Textes. Aktualisierte Versionen werden im Internet unter www.dgsm.de bereitgestellt.
 

Hier finden Sie uns:


Schlaflabor Wiesbaden

Luisenstr. 18 65185 Wiesbaden
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Montag bis Donnerstag: 8:00 bis 16:00 Uhr
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